Die Frage danach was Gesundheit ist und wie sie erlangt wird ist vielleicht so alt wie die Menschheit selbst. Die Suche nach einer Antwort auf diese Frage ist möglicherweise der Ursprung aller Gesundheitswissenschaften.

Wie denkst Du darüber?

Wenn Du denkst dass Du gesund bist nur weil dein Laborbericht normal ausgefallen ist, hast Du den Zug verpasst, und nicht verstanden was Gesundheit oder der Zustand des Gesundseins bedeutet. Wir sind trainiert zu denken, dass wenn wir arbeiten, Geld verdienen und unsere Krankenkassen bezahlen, diese sich um unsere Gesundheit kümmern werden. Doch tatsächlich zahlt deine Krankenkasse nur, wenn Du überzeugend krank bist.

Die westliche Perspektive

Die WHO definiert Gesundheit als einen Zustand von vollkommenem physischen, mentalen und sozialen Wohlbefinden. Hierbei ist einiges wichtiges zu beachten: Gesundheit bezieht sich nicht nur auf Körper und Psyche, und geht über die Abwesenheit von Krankheit hinaus. Doch was bedeuten diese Begriffe ‚vollkommen‘ und ’soziales Wohlbefinden‘?

Die östliche Perspektive

Ayurveda, der Ursprung aller Gesundheitswissenschaften die aus dem antiken Indien stammen, hat die Definition von Gesundheit erklärt, vielleicht zum ersten Mal auf dem Planeten. Suśruta, der Begründer der modernen Chirurgie, definiert in seiner Suśruta Samhita den Zustand des Wohlbefindens als ’svasthya‘, und die Person die gesund ist als ’svastha‘. Um zu bewerten ob jemand svasthya, oder ein svastha ist, werden drei Bereiche betrachtet, die sich in insgesamt 7 Aspekte unterteilen. Die drei Bereiche sind

  • physische Gesundheit
  • emotionale und mentale Gesundheit
  • soziale und spirituelle Gesundheit

Erster Aspekt – Physiologische Abläufe im Körper

Im physischen Bereich ist der erste Aspekt, dass die physiologischen Funktionen von der Intelligenz des Körpers gesteuert und reguliert werden. Es gibt Körperfunktionen, die nicht bewusst kontrolliert werden, die unfreiwillig ablaufen. Zum Beispiel arbeiten in deinem Körper gerade Kreislauf, Verdauung und Nährstoffaufnahme, dann die Atmung, das Blinzeln deiner Augenlider, die Kommunikation deiner Muskeln und wie dein Nervensystem Informationen verarbeitet – es gibt unzählige Aktivitäten die gerade jetzt in deinem System ablaufen. Eine ununterbrochene Organisation dieser Prozesse in deren normalem Umfang ist die Bedeutung physiologischer Ausgeglichenheit.

Zweiter Aspekt – Gesundheit im Stoffwechsel

Der zweite Aspekt ist ein gesunder Stoffwechsel. Wir sind meist so sehr darauf bedacht teure, unter biologischen Standards hergestellte Superfoods zu essen. Was aber wichtiger ist als was man isst, ist die Art von Stoffwechsel die man besitzt. Einige Kriterien um zu bewerten wie gut dein Stoffwechsel ist werden wir später behandeln. Ein guter, stabiler Stoffwechsel ist eines der Hauptkriterien für physisches Wohlbefinden.

Dritter Aspekt – Bildung der Körpergewebe

Der dritte Aspekt ist die Gewebebildung. Je besser der Stoffwechsel arbeitet, desto besser absorbiert und assimiliert der Körper Nährstoffe aus seiner Nahrung, und dadurch wird die Gewebebildung stabiler.

Vierter Aspekt – Ausscheidung

Der vierte Aspekt ist die Ausscheidung. Der Körper an sich ist tatsächlich eine große Detox-Maschine und ist in der Lage, Toxine vom groben bis zum zellulären Level zu beseitigen. ausgehender Atem, Stuhl, Urin, Schweiß und Sekrete sind Beispiele von solchen Abfallprodukten. Der Körper ist fähig, diese Abfälle auszuscheiden ohne sie aufzuspeichern, was intern zu Krankheiten führen würde. Wenn diese vier Funktionen täglich, regelmäßig, in deren natürlichem Umfang und ohne externe Unterstützung stattfinden, erfährst Du körperliches Wohlbefinden.

Kommen wir nun zum psychologischen Wohlbefinden. Psychologisches Wohlbefinden kann auch als mentale Hygiene verstanden werden. Hier gibt es zwei wichtige Aspekte die Du beachten solltest.

Fünfter Aspekt – Kontrolle über die Sinne

Der erste Aspekt psychologischen Wohlbefindens ist wie viel Kontrolle Du über deine Sinnesorgane ausübst. Du hast 5 Sinne mit denen Du die Welt wahrnimmst.

  • Geräusch über deine Ohren
  • Geruch über deine Nase
  • Sicht wird über deine Augen
  • Geschmack über deine Zunge
  • Berührung über deine Haut

Wenn eine Person ein Gleichgewicht darin hat, die Annehmlichkeiten der Welt mit ihren Sinnen zu erfassen, ist das ein Zeichen von Gesundheit. Besessenheit wie Sucht nach Süßem, Überkonsum von Nahrung oder emotionales Snackverhalten sind einige Beispiele für übermäßige Beanspruchung des Geschmackssinns. Den Großteil des Tages Musik zu hören, exzessives Ausleben von sexueller Aktivität oder die Sucht elektronische Geräte für lange Zeit anzuschauen sind weitere Beispiele dafür, von den Sinnen kontrolliert zu werden anstatt den Kontrollknopf in sich selbst zu haben. Die Fähigkeit Sinneseindrücke zu genießen ohne durch sie kontrolliert zu werden, ist daher ein Zeichen mentalen Wohlbefindens.

Sechster Aspekt – emotionale Ausgeglichenheit

Der nächste Aspekt ist die Kontrolle über Emotionen. Die Fähigkeit, sich trotz der Art der Situation in der man sich befindet zu entspannen, ist ebenfalls ein Zeichen mentaler Hygiene. Sich vom Bedauern der Vergangenheit sowie von Sorgen über die Zukunft entziehen zu können, und zu jedem beliebigen Zeitpunkt gekonnt aktiv und friedlich handeln zu können, ist ein Zeichen emotionaler Gesundheit.

Siebter Aspekt – spirituelles und soziales Wohlbefinden

Der letzte Aspekt ist spirituelles und soziales Wohlbefinden. Zufrieden zu sein, ob man vermögend ist oder nicht, Freude und Dankbarkeit empfinden zu können für alle Gelegenheiten die das Leben offeriert, ob angenehm oder unangenehm, zufrieden zu sein mit der Person die man gerade ist und sich selbst zu akzeptieren. Sich selbst zu bestätigen anstatt außerhalb nach Bestätigung zu suchen. Das alles sind Eigenschaften einer spirituell entwickelten Person. Eine solche Person kann stets nützlich für die Gesellschaft und alle Lebensformen um sie herum sein.

Wenn Du einen harmonischen Zustand dieser Aspekte so weit wie möglich erreicht hast, bist Du als gesund zu bezeichnen. Dabei stellt jeder Tag eine Gelegenheit dar gesund zu sein, und es erfordert einen gewissen Aufwand diesen Zustand zu halten.

Warum wollen wir gesund sein?

Nur wenn ein Mensch gesund ist, kannst er entdecken, experimentieren, lernen und sein gesamtes Potential als Mensch nutzen. In der antiken Weisheit der Vedas besteht der Zweck des menschlichen Lebens darin vier Ziele zu erreichen, die sogenannten Purusharthas. Diese Ziele werden Dharma, Artha, Kama und Moksha genannt.

  • Dharma ist die Fähigkeit, Handlungen rechtschaffen auszuüben, Fachwissen und Fähigkeiten zu erlangen um die Verantwortlichkeiten zu erfüllen, mit denen man auf die Welt gekommen ist.
  • Artha bedeutet Wohlhabend zu sein. Finanziell, körperlich, emotional, intellektuell, sozial, und so weiter. Es bedeutet man ist in der Lage Verantwortung zu tragen die über einen selbst hinausgeht und den Menschen und Lebewesen in seiner Umgebung helfen zu können.
  • Kama ist die Erfüllung von Wünschen die einem hilft, sich als Person weiterzuentwickeln, physisch, mental, emotional, intellektuell und spirituell.
  • Moksha ist der Wunsch, die Geheimnisse des eigenen Lebens und des Universums zu kennen.

Egal welches Ziel Du zu erreichen versuchst, Du brauchst dafür deinen physischen Körper, deinen Geist sowie deine Lebenskraft in ihrem vollen Leistungspotential. Und das ist es was wir als Zustand des Gesundseins bezeichnen.