Ghee: die ayurvedische Perspektive

Über Ghee

„Wenn Agni (das Verdauungsfeuer) durch Brennstoff in Form von Ghee entzündet wird, kann es nicht unterdrückt werden, auch nicht durch zu schwere Lebensmittel.“ Charaka

Ghee ist die goldgelbe Substanz die nach dem Abschmelzen aller Verunreinigungen von Butter übrig bleibt. Ghee, auch als geklärte Butter oder wasserfreies Milchfett bekannt, wird im Ayurveda seit Tausenden von Jahren zum Kochen sowie für religiöse Zeremonien sowohl intern als auch extern therapeutisch eingesetzt.

Ghee wird aus Butter hergestellt, durchläuft jedoch einen Klärungsprozess, bei dem die am schwersten verdaulichen Butterbestandteile wie Laktose, Kasein, Molkenproteine und Spurenelemente entfernt werden.

Tipp: Um Ghee zuzubereiten, koche Butter sehr langsam bei sehr niedriger Hitze. Dabei scheiden sich alle Milchfeststoffe und Buttermilch vom Butteröl ab und treiben an der Oberfläche wo Du sie abschöpfen kannst, so dass nur noch das Butteröl übrig bleibt.

Bewertung:

  • Guna: leicht, subtil
  • Rasa: süß
  • Virya: kühlend
  • Vipaka: süß
  • Prabhava: entzündet Agni
  • Doshas: Tridosha: beruhigt Vata, Pitta und Kapha
  • Dhatus: aufbauend für alle Gewebe, auch Ojas
  • Geistig: Sattwisch
  • Karma: unterstützt Verdauung, verjüngend, wundheilend

Medizinische Eigenschaften

Ghee wird im Ayurveda sehr geschätzt. Ayurveda lehrt dass es nicht nur unsere Fähigkeit erhöht Nahrung zu verdauen, sondern auch unsere Fähigkeit sie zu verarbeiten und aufzunehmen. Ghee erhöht die Qualität von Sattva (Frieden / Zufriedenheit) im Geist und nährt auch direkt Ojas (unser Immunsystem) sowie Prana (unsere Lebenskraft) und alle unsere Dhatus (Gewebe). Es erhöht die Intelligenz, verfeinert den Intellekt und verbessert das Gedächtnis. Es schmiert auch die Organe und das Bindegewebe und macht den Körper flexibler. Ghee erhöht die Kraft, den Glanz und die Schönheit des Körpers, verlangsamt den Alterungsprozess und verbessert unsere Langlebigkeit! Es ist auch ein ausgezeichneter Wundheiler, der sowohl bei inneren Wunden (wie Geschwüren) als auch bei äußeren Wunden (insbesondere bei Hautausschlägen und Verbrennungen) hilfreich ist. Es verbessert die Qualität der Haut und kann sogar als Feuchtigkeitscreme verwendet werden! Ghee wird im Ayurveda seit langem als Anupana (Vehikel für die Verabreichung von Arzneimitteln) verwendet, da es von Natur aus subtil ist und in die tieferen Gewebe des Körpers eindringen kann. Ghee sollte besser an fertige Gerichte gegeben werden als auf hoher Stufe gebraten.

Der westliche Standpunkt

Obwohl Ghee überwiegend gesättigtes Fett ist (65%), wurde tatsächlich gezeigt, dass es LDL-Cholesterin senkt. Es hat das perfekte Verhältnis von Omega-3: Omega-6-Ölen und ist ein sehr, sehr stabiles Öl mit einem Rauchpunkt von 252 Grad Celsius – das heißt Du kannst es im Gegensatz zu Butter und vielen anderen Ölen auf hohe Temperaturen erhitzen ohne dass es verbrennt oder zu freien Radikalen abgebaut wird. Und … seine kurzkettigen Fettsäuren werden vom Körper leicht metabolisiert.

Die Verwendung von Ghee beim Kochen senkt auch den glykämischen Index von allem, was Du kochst. GI = die Rate, mit der der Blutzucker aus Kohlenhydraten in Ihren Blutkreislauf freigesetzt wird. Je niedriger der GI, desto langsamer die Freisetzung. Der Haupttreiber des glykämischen Index ist der Fettgehalt. Je fettreicher, desto langsamer werden die Zucker („Kohlenhydrate“) verdaut und desto niedriger ist der glykämische Index.

Da es sich um ein gesättigtes Fett handelt, rät die populäre westliche Ernährungswissenschaft von seinem Verzehr ab. Populäre Ernährung basiert jedoch nicht unbedingt auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern auf einem komplexen Zusammenspiel von Politik, Geschichte und Marketing. In diesem Fall wurde die Idee, dass gesättigtes Fett nicht gut für uns ist, in den 1950er Jahren durch die „Lipidhypothese“ populär gemacht. Diese Hypothese hat sich mittlerweile als falsch erwiesen – es gibt keine schlüssigen wissenschaftlichen Zusammenhänge zwischen dem Verzehr von gesättigten Fettsäuren und einem erhöhten Cholesterinspiegel, einer erhöhten Herzkrankheit oder einer Gewichtszunahme. Transfette sind das Problem, nicht gesättigte Fette.

Empfohlene Einnahme

Im Ayurveda kann man zu fast jeder Mahlzeit ein wenig Ghee essen. Du kannst dein Porridge damit kochen, deine Currys, Kichares, dein Gemüse, alles.

Wer muss aufpassen?

Wenn Du eine reine Kapha-Konstitution hast, ein starkes Kapha-Ungleichgewicht, viel Ama in deinem System, eine Lebererkrankung oder einen sehr hohen Cholesterinspiegel, ist es eine gute Idee, einen Ayurveda-Arzt vor dem Essen  größerer Mengen von Ghee aufzusuchen. Kleine Mengen sollten jedoch in Ordnung sein.