Kaffee: die ayurvedische Perspektive

Über Kaffee

Die Kaffeebohne ist der Samen der Kaffeepflanze, mit der Kaffee gebrüht wird. Botanisch gesehen ist sie keine Bohne. Das Wort „Kaffeebohne“ ist eine volksetymologische Lehnübersetzung aus arabisch قهوة qahwa „Kaffee“ und arabisch بنّ bunn „Beere“. Die Früchte sind rote, kirschenähnliche Steinfrüchte (Kaffeekirschen) mit meist zwei Steinkernen. Diese Steinkerne sind die eigentlichen „Kaffeebohnen“. Sie liegen mit ihren abgeflachten Seiten zueinander und weisen in der Mitte dieser Fläche eine Längsfurche, die sogenannte Naht, auf.

Die Geschichte des Kaffeetrinkens beginnt ca. 900 n. Chr. im Südwesten Äthiopiens mit einem äthiopischen Ziegenhirten, der die Wirkung von Kaffeebohnen zum ersten Mal entdeckte, als er bemerkte, dass seine Ziegen von den Bohnen aßen und auf Schlaf verzichteten. Er teilte diese Beobachtung mit einem Mönch. Dieser kochte die Bohnen und gab eine Flüssigkeit ab, die es ihm ermöglichte, beim Abendgebet wach zu bleiben. Damals wurden die Blätter und getrockneten Kirschen, ähnlich wie Tee, in heißem Wasser aufgegossen und dann getrunken. Erst später, als Kaffee durch die arabische Welt ins Osmanische Reich und später nach Istanbul gelangte, entsprach die Zubereitung bereits stärker der heutigen Form. Die rohen, trockenen Samen (denn, streng genommen sind es keine Bohnen) wurden geröstet, fein gemahlen und in Wasser mehrfach aufgekocht.

Bewertung:

  • Guna: leicht, trocken
  • Rasa: bitter, süß
  • Virya: heiß
  • Vipaka: scharf
  • Doshas: erhöht Vata und Pitta, reduziert Kapha
  • Geistig: Rajas
  • Karma: stimulierend und letztlich abdämpfend für das gesamte System

Medizinische Eigenschaften

Der Ayurveda betrachtet Kaffee zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Situationen als Medizin für die einen und Gift für die anderen. Energetisch gesehen ist Kaffee von heißer, leichter und trockener Qualität, entsprechend den Elementen Luft und Feuer und hat eine anregende Wirkung auf den Magen (Agni). Wegen seiner Vata- und Pitta-verstärkenden Wirkung ist eine Tasse Kaffee hilfreich, um Kapha-Typen und Kapha-Zustände auszugleichen. Er fördert die Entleerung des Magens und stimuliert die Gallensekretion, senkt den Appetit und regt den Darm zur Bewegung an. All diese Wirkungen sind hilfreich für den trägen und verstopften Kapha-Körper. Jedoch bei einem Vata- oder Pitta-Typ, bei dem Hitze, Leichtigkeit und Trockenheit bereits vorhanden sind, können die Wirkungen des Kaffees zur Verstärkung der Doshas, Angstzuständen, Zuckungen, Reizbarkeit, Entzündungen und mit der Zeit auch zu Krankheiten führen. Chronische Probleme wie Müdigkeit der Nebennieren, hormonelles Ungleichgewicht und Schlaflosigkeit können sich entwickeln und, wenn sie unbehandelt bleiben, zu ernsteren Erkrankungen wie Arthritis und Verdauungsstörungen führen.

Der westliche Standpunkt

Zu den wohl wichtigsten Inhaltsstoffen des Kaffees zählen die Alkaloide. Unter Alkaloiden versteht man stickstoffhaltige Substanzen, darunter fällt auch das anregende Koffein. Etwa drei bis fünf Prozent des Rohkaffees nehmen Mineralstoffe ein, die zu etwa 90 Prozent in das Kaffeegetränk gelangen. Zu den Mineralstoffen gehören hauptsächlich Kalium, Kalzium, Magnesium und Phosphor. Schwefel, Mangan sowie Eisen kommen ebenfalls in geringen Mengen vor. Auch sind Vitamine im Kaffee vorhanden. Zu den bekanntesten zählt die B-Vitamingruppe. Darunter fallen Vitamin B2 (Riboflavin), Niacin, Pantothensäure sowie das Vitamin B6 (Pyridoxin). Weiterhin zählen zu den relevanten Inhaltsstoffen des Kaffees die Aromastoffe. Es gibt über 800 Aromastoffe, diese entstehen aber erst während der Röstung durch eine Reaktion namens Maillard. Die Maillard-Reaktion (benannt nach dem frz. Naturwissenschaftler Louis Camille Maillard) ist eine nicht enzymatische Bräunungsreaktion und ist nicht zu verwechseln mit dem Karamellisieren. Beide Reaktionen können jedoch zusammen auftreten. Dementsprechend ist der Rohkaffee eher geruchslos.

Koffein wirkt bereits nach 30 Minuten und verteilt sich über das Blut im ganzen Körper. Die Wirkung des Koffeins hält etwa vier Stunden an: Hoch dosiertes Koffein lässt das Herz schneller schlagen und erhöht so den Puls. Bei Personen, die nur selten Koffein zu sich nehmen, steigt auch der Blutdruck.