Koriander: die ayurvedische Perspektive

Über Koriander

Der Echte Koriander (Coriandrum sativum) ist eine typische Art aus der großen Kräuterfamilie der Doldenblütler (Apiaceae). Bekannte weitere Vertreter aus dieser Pflanzenfamilie sind beispielsweise Dill, Estragon oder Wermut. Koriander zählt zu einem der vielseitigsten Küchenkräuter weltweit und ist eines der wichtigsten Gewürzkräuter der asiatischen Küche. Die Blätter des Krauts, die Früchte sowie vereinzelt die Wurzeln sind vor allem in der Küche Südasiens kaum noch wegzudenken und würzen dort zahlreiche Speisen. Korianderblätter findet man beispielsweise häufig in thailändischen oder vietnamischen Gerichten, wohingegen die Samen eher in der indischen Küche und teils in der Küche einiger arabischer Länder beliebt sind.

Das genaue Herkunftsgebiet des Korianders ist nicht bekannt. Es wird jedoch aufgrund verschiedener Pflanzenmerkmale sowie historischer Funde vermutet, dass das beliebte Speisekraut aus dem Mittelmeergebiet stammt. Ältere Aufzeichnungen lassen darauf schließen, dass die Pflanze aus Südosteuropa stammt, wo sie wild häufig zwischen Getreidepflanzen gewachsen ist. Die alten Griechen, Ägypter und Römer waren damit vertraut.

In Indien ist Koriander als dhanya oder dhanyaka bekannt, was „der Reiche“ bedeutet. Er verdient seinen Namen wegen seiner vielen kulinarische und medizinische Anwendungen.

Für kulinarische Zwecke bevorzugen einige Regionen die Frucht und andere das Blatt. Die meisten Menschen mögen den Geschmack der Frucht und würden ihn als warm, nussig und scharf beschreiben. Einige finden sogar eine orangenähnliche Qualität. Die Blätter werden von fast allen Menschen in Asien und Lateinamerika geschätzt, und sie werden als frisch, grün, herb und sogar zitrusartig beschrieben. Bei Mittel- und Nordeuropäern ist sein Geschmack im Durchschnitt nicht sehr beliebt und würden ihn als seifig oder wie verbranntes Gummi beschreiben. Koriander ist sehr gut in der Lage, die Aromen verschiedener Gewürze zusammenzubringen. Aus diesem Grund findet man ihn in Gewürzmischungen auch in Regionen, in denen er nicht separat verwendet wird. Weniger bekannt ist, dass bei der Entwicklung der Curry- und Gewürzmischungen, in denen Koriander ein wichtiger Bestandteil ist, ein sehr tiefes Wissen angewandt wurde. Die Absicht war, auszugleichen und zu heilen. Die Verwendung von Nahrung als Medizin ist eine wichtige Idee des Ayurveda und anderer Systeme, die sich daraus entwickelten. Eine weitere Verwendung besteht in der Zubereitung von Medikamenten für eine erstaunliche Vielfalt von Gesundheitsproblemen, wobei Studien das alte Wissen bestätigen und neue Möglichkeiten eröffnen. Der Schatz des „Reichen“ ist immens, und es ist sehr aufregend, ihn zu erforschen.

Bewertung:

  • Guna: leicht, ölig
  • Rasa: süß, scharf, bitter, adstringierend
  • Virya: heiß
  • Vipaka: süß
  • Doshas: Tridosha: balanciert Vata, Pitta und Kapha
  • Geistig: Sattva
  • Karma: durstlöschend, kühlend

Medizinische Eigenschaften

Nach Drayaguna ist der Koriander Kältemittel und Durstlöscher. Die Samen des Korianders haben eine neutrale Energie, und die Blätter wirkend kühlend. Er wird bei Fieber, Appetitlosigkeit und Verdauungsstörungen eingesetzt. Die klassischen ayurvedischen Texte enthalten Informationen von Susruta, nach dem Koriander eingesetzt wird um krankhaften Durst, Sodbrennen, Magersucht, Erbrechen und Fieber zu heilen. Sie regen auch die Verdauungskraft an. Koriandersamen ist ein ausgezeichnetes Mittel zur Förderung der Pitta-Verdauung, da er die Agni anregt, aber den Säuregehalt nicht verschlimmert. Er ist sicher zu verwenden, wenn eine Entzündung im Verdauungssystem vorliegt und Agni gestärkt werden muss.

Der westliche Standpunkt

Tatsächlich enthält die Pflanze viele medizinisch interessante Inhaltsstoffe, die die Nutzung als Heilpflanze möglicherweise rechtfertigen und sogar gegen härtere Krankheiten eine mögliche Lösung darstellen können. Vor allem die Samen und die Blätter enthalten zahlreiche ätherische Öle (v.a. Linalool, Pinen sowie in kleineren Mengen Kampfer und Geraniol) sowie Cumarine, Phenolsäuren und Sterole. Diese sekundären Pflanzeninhaltsstoffe können folgende Wirkungen bzw. Heilwirkungen auf unseren Organismus haben:

  • entwässernd
  • immunsystemstimulierend
  • schweißtreibend
  • blähungswidrig (karminativ)
  • antioxidativ
  • antibakteriell
  • entkrampfend
  • beruhigend (karminativ)

In einigen Studien wird die Wirksamkeit von Koriander bei der Vorbeugung und begleitenden Therapie gegen Diabetes diskutiert. Verantwortlich sind hier wahrscheinlich die enthaltenden Carotinoide, die u.a. dafür sorgen, dass der Insulingehalt im Blut ansteigt und der oxidative Stress insgesamt sinkt. Medizinisch wirksam sollen hier vor allem die Samen des Korianders bzw. Extrakte daraus sein.

Empfohlene Einnahme

Die Blätter sollten immer erst zum Ende des jeweiligen Gerichts zugefügt werden, da sich die ätherischen Öle sonst zu sehr verflüchtigen und folglich nur noch wenig Aroma abgeben. Verwendet werden sollten ausschließlich frische Korianderblätter. Getrockneter Koriander ist nahezu wertlos und kommen in punkto Aroma nicht annähernd an die frischen heran.

Koriandersamen bzw. Korianderfrüchte hingegen können mit dem jeweiligen Gericht mitgekocht oder mitgebraten werden. Wer auf Qualität wert legt, sollte ganze Samen nehmen und diese erst kurz vor dem Kochen in einer Pfeffermühle mahlen.