Kuhmilch: die ayurvedische Perspektive

Über Kuhmilch

Milch gilt im Ayurveda als „die beste aller lebensspendenden Substanzen (Jivaniya)“. Sie ist die reine Essenz des Grases. In früheren Zeiten wurden Kühen bestimmte Kräuter gegeben, um spezielle Milchsorten zu erzeugen- zum Beispiel wurde eine reine weiße Kuh mit Amlaki gefüttert, einem Kraut für Langlebigkeit und Verjüngung. Das Trinken der Milch von einer solchen Kuh war Teil eines uralten Prozesses der Kajakalpa- oder Jugendwiederherstellung.

Kühe und ihre Milch nehmen in der vedischen Überlieferung einen besonderen Platz ein. Eine Hymne im Rig Veda (den ältesten Schriften der Menschheit), lobt die Tugend der Kühe. „Die Kühe sind gekommen und haben uns Glück gebracht. Mögen sie zufrieden in unseren Ställen bleiben.“ Und Dhanvantari, der Gott des Ayurveda, ist aus dem Aufwirbeln des Ozeans der Milch geboren.

Bewertung:

  • Guna: ölig, schwer, mild
  • Rasa: süß
  • Virya: kalt
  • Vipaka: süß
  • Doshas: beruhigt Vata und Pitta, bildet gesundes Kapha
  • Geistig: sattwisch
  • Karma: verjüngend, aufbauend, lebensverlängernd, aphrotisierend, kühlend, den Stuhl weichmachend, Kräfte wiederherstellend nach Anstrengung, geistige Kraft erhöhend
  • Dhatus: Rasa, Rakta, Mamsa, Asthi, Majja
  • Prabhava: angenehm für den Geist

Medizinische Eigenschaften

Nach Ayurveda nährt Kuhmilch auf eine eine spezielle und einzigartige Weise, die von keinem anderen Nahrungsmittel abgeleitet werden kann. Milch nährt, wenn sie richtig verdaut wird, alle Gewebe, fördert ausgeglichene Gefühle und hilft, alle Doshas auszugleichen. Sie ist eines der wichtigsten Lebensmittel zur Förderung von Ojas.

Die Milch der Kuh fördert ein langes Leben, verjüngt und ist gut für Menschen, die nach Verletzungen geschwächt sind. Sie erhöht die Intelligenz, Stärke und heilt Erschöpfung. Sie hilft bei schwergängiger Verdauung, Schwindel, Toxizität, Atemnot, Husten, starker Durst und Hunger und lang anhaltendes Fieber. Milch hilft ebenfalls dabei, überschüssiges Pitta (Galle) auszuscheiden.

Kuhmilch wird in der ayurvedischen Medizin zur Heilung einer Vielzahl von Erkrankungen und Verletzungen eingesetzt, und es gibt zahlreiche Rezepte zum Würzen der Milch um spezielle Wirkungen zu erzielen.

Der westliche Standpunkt

Die unbehandelte Kuhmilch weist etwa vier Prozent Milchfett, drei Prozent Eiweiß und fünf Prozent Kohlenhydrate auf. Sie besteht zu 87 Prozent aus Wasser. Außerdem finden sich die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K sowie die wasserlöslichen Vitamine C, B1, B2, B6 und B12 darin. An Mineralstoffen enthält sie Kalzium, Eisen, Natrium, Kalium und Magnesium.

Die moderne Medizin weiß, dass Kuhmilch einen Großteil der Aminosäure L-Tryptophan enthält, die der Körper nicht selbst produzieren kann und über die Nahrung aufnehmen muss. Andere Lebensmittel die diese essentielle Aminosäure enthalten, die angeblich die Stimmung anregt, sind z. B. Kakaopulver und Walnüsse. Damit jedoch das L-Tryptophan in Kuhmilch die Blut-Hirn-Schranke passieren kann, sollte die Milch nicht mit anderen Nahrungsmitteln gemischt werden, wie in Brei oder Milchshakes.

Milch-Unverträglichkeit

Ein großer Prozentsatz der Menschen auf der ganzen Welt konsumiert seit Tausenden Jahren Milchprodukte. Warum kommt es dann nach so vielen Jahren wohltuender Ernährung durch unseren vierbeinigen Freund die Kuh plötzlich zu einer Epidemie von Menschen, bei denen es schwierig ist, Milchprodukte zu tolerieren?

Ursprünglich war der Mensch nicht dazu gedacht, auf unbestimmte Zeit Milch zu trinken, sei es von einer Kuh, einer Ziege oder sogar von einem Menschen. Jede Milch enthält einen Zucker namens Laktose (ein Disaccharid aus Galaktose und Glukose), der schwer verdaulich ist. Er ist zu groß, um durch die Darmwand zu passen, daher muss er von dem Enzym Lactase, das von den Zellen im Dünndarm ausgeschieden wird, in seine Bestandteile zerlegt werden. Bei einem Mangel an Laktase gelangt die Laktose in den Dickdarm, wo sie stattdessen von gaserzeugenden Bakterien verdaut wird. Dies führt zu einer Vielzahl von unangenehmen Symptomen der Verdauungsstörung – Bauchkrämpfe, Blähungen und Durchfall.

Menschen werden mit einem genetischen Schalter für die Produktion von Laktase geboren – er wird eingeschaltet, wenn wir Babys sind, und im Alter von etwa 3 bis 5 Jahren ausgeschaltet. Dies änderte sich jedoch vor etwa 7.500 Jahren in Europa durch eine praktische Mutation bei einer Population von Viehhirten. Der Schalter wurde betätigt und blieb an. Diese Mutation war so vorteilhaft, dass sie sich schnell ausbreitete. Und es war kein Einzelfall. Ähnliche Mutationen traten etwa zur gleichen Zeit auch an drei verschiedenen Orten in Afrika auf.

In Europa sind 88% der Menschen in der Lage, Laktose zu verdauen. Viele Menschen glauben Milch nicht verdauen zu können, dies ist jedoch möglicherweise auf ein geschwächtes Agni und eine fehlerhafte Zubereitung der Milch zurückzuführen.

Empfohlene Einnahme

Um Milch richtig zu verdauen, sollte man vermeiden kalte Milch direkt aus dem Kühlschrank zu trinken. Milch sollte zum Kochen gebracht werden. Lass die Milch aufschäumen und senke dann die Temperatur, damit die Milch etwa 5 bis 10 Minuten lang langsam kocht. Das Erhitzen der Milch verändert ihre Molekularstruktur, so dass sie für den menschlichen Verzehr viel einfacher ist, und reduziert Kapha, wodurch sie leichter verdaulich wird. Während des Kochens kannst Du eine Prise gemahlenen Kurkuma, gemahlenen schwarzen Pfeffer, Zimt oder ein paar Prisen Ingwer hinzufügen, um die Schwere der Milch zu verringern und alle schleimverursachenden Nebenwirkungen zu verringern.

Eine Variante der Zubereitung habe ich Dir hier augeschrieben: die goldene Milch

Ayurveda nennt Milch ein Rasayana (Verjüngungsmittel), ein Mittel, das nur mit Nüssen oder getrockneten Früchten sowie mit Gewürzen wie Kurkuma, Kardamom, Zimt und Ingwer kombiniert werden sollte.