Weizen: die ayurvedische Perspektive

Über Weizen

Weizen (Ssanskrit: Godhuma, Latein: Triticum aestivum) gehört zu den wichtigsten Kulturpflanzen unserer Zeit. Im Laufe der Jahre wurde er immer weiter gezüchtet und an die menschlichen Bedürfnisse angepasst. Aus den ursprünglichen Weizenarten Einkorn und Emmer ist eine leistungsstarke Pflanze geworden. Neben Mais und Reis zählt er heute weltweit zu den wichtigsten Nutzpflanzen für die menschliche Ernährung und wird auf allen Kontinenten der Welt angebaut. Weizen ist eine reine Kulturart, d.h. es gibt keine Wildart. Kreuzungen zwischen zwei verschiedenen Getreidegattungen wie z.B. zwischen Weizen und Gerste sind nicht bekannt.

Weizen ist nach Gerste die älteste kultivierte Getreideart und wird seit etwa 10.000 Jahren angebaut. Sein Ursprung liegt in Vorderasien. Hier entstanden die Vorgänger des Weizens wie Einkorn und Emmer. Aus einer Kreuzung von Emmer und Wildgrasarten wie dem Gänsefußgras ging die heutige Kulturform des Weizen hervor. Während der Römerzeit wurde Weizen zur Hauptgetreideart. Danach fiel der Anbau wieder hinter den der Gerste zurück, bis im 12. Jahrhundert das Weißbrot in Mode kam.

Bewertung:

  • Guna: schwer, ölig, nährend
  • Rasa: süß
  • Virya: kalt
  • Vipaka: süß
  • Doshas: reduziert Vata und Pitta, erhöht Kapha
  • Karma: aphrodisierend, kräftigend, belebend, stärkt Ashti Dhatu

Medizinische Eigenschaften

Nach Ayurveda wird Weizen (Korn) hauptsächlich als Nahrungspflanze angesehen, daher kommt seine medizinische Wirkung mehr durch regelmäßige Einnahme zur Geltung als durch kurzfristige Medikation. Gemahlener Weizen wird mit anderen aphrodisierenden Mitteln wie Milch und Kräutern wie Ashwagandha oder Kapikacchu zu einer Paste verarbeitet, die regelmäßig eingenommen wird. Bei Gicht (Vatarakta) wird eine Salbe aus Ghee, gemahlenem Weizen und Ziegenmilch zur externen Applikation angewendet. Weiterhin ist Weizen empfohlen bei Knochenbrüchen, was in dem Mineralgehalt des Vollkorns begründet ist. Für stillende Frauen werden Weizen, Gerste und Reis gemahlen und mit Kuhmilch zubereitet um Qualität und Quantität der Milch zu verbessern.

Der westliche Standpunkt

Weizen enthält reichlich Stärke (Kohlenhydrate), Eiweiß und Vitamin B1. Die Vollkornvariante ist des Weiteren sehr ballaststoffreich. Der Mehlkörper des Korns enthält die Stärke und das Klebereiweiß. Im Keimling sind Fette, fettlösliche Vitamine und das Eiweiß des Keimlings enthalten. In den Randschichten des Korns findet man Ballaststoffe, Mineralstoffe, Vitamine und Aleuron-Eiweiß. Vollkorn-Produkte sind wesentlich gehaltvoller, denn für das weiße Mehl werden sowohl der Keimling als auch die Randschicht entfernt. Will man nicht unbedingt Vollkornprodukte essen, kann man Mischprodukte aus Vollkorn- und Weißmehl wählen, um wenigstens einen geringen Teil der Nährstoffe zu erhalten. Produkte aus purem Weißmehl sind leider voller leerer Kohlenhydrate und nicht besonders förderlich für die Gesundheit. Zudem sättigen diese nicht.

Verträglichkeit

Kaum jemandem ist bekannt, dass man diesem Getreide Heilwirkungen zusprechen kann. Weizen ist im Vergleich zu anderen Getreidearten sehr mild, beruhigt und schont die Verdauungsorgane. Andererseits spricht man ihm aber auch hochriskantes Potential zu, gesundheitliche Probleme auszulösen. Heute weiß man, dass Urgetreide, wie beispielsweise Kamut oder Emmer, wesentlich verträglicher sind als der moderne Weizen. Sie wurden im Laufe von Jahrtausenden extrem hochgezüchtet und es entstehen immer neue Züchtungen, die genetisch nur noch wenig mit den Ur-Getreiden zu tun haben. Sein Chromosomensatz wurde inzwischen um ein Vielfaches vermehrt, was zwangsläufig mit entsprechend vielen Proteinen verbunden ist. Und genau auf diese reagieren viele Menschen mit Unverträglichkeiten, denn für das Immunsystem ist es eine Höchstleistung, mit immer neuen Proteinmodifikationen zurecht zu kommen. So kommt es häufig zu allergischen Reaktionen, Überempfindlichkeiten, Entzündungen und anderen Beschwerden. Der Keimling (Weizenkeim) weist einen hohen Gehalt an Fettsäuren, Vitamin E sowie Mineralien, und Proteinen (darunter die essentielle Aminosäure Lysin) auf. Er besitzt eine hohe biologische Wertigkeit und hämaglutinierende (antivirale) sowie entzündungshemmende Faktoren. Aufgrund dieser Betrachtung wird er oft als Superfood bezeichnet.